dvf portfolio wettbewerb 2018

der dvf richtet nun bereits zum zweiten mal den dvf portfolio wettbewerb aus. dieser wettbewerb richtet sich an alle freunde der konzeptionellen fotografie. in der ausschreibung heisst es:

Wir schreiben diesen Wettbewerb aus, um erfolgreichen Fotografinnen und Fotografen eine neue Herausforderung zu bieten. Gleichzeitig eröffnen wir die Möglichkeit, die herausragenden Portfolios einem breiten Publikum zu präsentieren.

Die Fotos sollen in der fotografischen Handschrift und Interpretation der Fotografin/des Fotografen ein selbstgewähltes Thema darstellen. Weder von der Motivwahl noch von der fotografischen Umsetzung her gesehen sind Grenzen gesetzt.

Teilnahmeberechtigt sind alle DVF-Mitglieder, die ein Portfolio bestehend aus 6 oder 8 Aufsichtsbildern mit Begleittext vorlegen.

die jurierung

die juroren prof. dr. tim schönborn , der fotograf jean-claude dirckx und die fotografin cora werner konnten am 14. märz die 40 eingereichten kollektionen sichten und bewerten.

sechs arbeiten wurden schließlich ausgezeichnet.

susanne konnte mit ihrer arbeit “robert winter” den ersten platz bei diesem anspruchsvollen wettbewerb belegen.

die platzierungen

1. Platz und DVF-Goldmedaille:           Susanne Jung, MFIAP, EFIAP/b „Robert Winter“
2. Platz und DVF-Silbermedaille:           Holger Goehler „Homelights – Im Licht der Schatten“
3. Platz und DVF-Bronzemedaille:        Holger Bücker „Playing the Strings at M‘era-Luna-Festival“
4. Platz und Urkunde:                             Heiko Römisch, MDVF, EFIAP/p, SPSA „Der Lebensraum der Singvögel“
5. Platz und Urkunde:                             Rainer Enke „Stadträume – statt Träume“
6. Platz und Urkunde:                             Wolfgang Loke, KDVF, EFIAP/p „Kubanische Portraits“

 

der begleittext von susanne

 

Robert Winter


Robert Winter, Mitte 60, alleinstehend.

Robert kenne ich schon lange.
Er wohnt 2 Straßen weiter, und ich bin quasi mit ihm aufgewachsen.

Dunkel erinnere ich mich an eine Familie, doch das ist lange her.
Robert war schon immer alt. Sah ich ihn jemals lachen?

Als Kind habe ich jedes Mal gefroren, wenn ich ihm begegnet bin.

Einen Tag lang durfte ich ihn nun fotografisch begleiten. Vom Aufwachen am Morgen bis zum Einschlafen am Abend.
Ich bin mit ihm seinen Weg zur Arbeit gegangen, verbrachte viele Stunden mit ihm im Büro.
Ich sah ihn diszipliniert und pflichtbewusst. Robert funktioniert- tagaus, tagein.

Träume hat er keine mehr- das ist vielleicht das Beste in seinem Leben.

Ich glaube, er hat mich nicht wahrgenommen an diesem Tag. Es schien ihm egal, ob einer da war oder nicht.
Mein Blick durch die Kamera zeigt mir einen isolierten Menschen, der in absolute Starre verfallen ist.

Für mich war das ein sehr wichtiger Tag. Meine Sicht auf Robert ist eine andere geworden.
Ich friere nun nicht mehr in seiner Nähe.

Susanne Jung

anmerkungen von susanne

die idee zu meiner kollektion entstand beim anschauen eines filmes, dessen grundstimmung und atmosphäre mich dermaßen in bann zog, dass ich sogleich beschloss, ebendiese in einem bild fotografisch umzusetzen.

fast auf einen schlag kamen mir so viele bildideen in den sinn, dass ich sie notieren musste, um sie nicht wieder zu verlieren.

Robert Winter war geboren.

so entstanden in 3 wochen 12 fotos, von denen ich für diese portfolioeinreichung 8 auswählte.

dass es nun tatsächlich dieser ruhige, zurückhaltende und vollkommen unspektakuläre Robert Winter nach ganz vorne geschafft hat, bedeutet mir unendlich viel.

diese serie liegt mir sehr am herzen!

zur entstehung:

alle fotos sind compositings.

bei den hintergründen handelt es sich um ältere, teils leerstehende gebäude, die ich in den letzten jahren fotografiert habe.

teilweise konnte ich sie 1:1 übernehmen, aber meist waren mehr oder weniger aufwändige „umbaumaßnahmen“ notwendig ;-)

in die person Robert Winter schlüpfte mein mann peter.

die latexmaske, die er trug, verfremdete ihn nicht nur vollkommen, sie sorgte auch für eine gewisse künstlichkeit, die von mir durchaus gewollt ist.

handelt es sich doch auch bei der person Robert Winter um eine kunstfigur, die etwas überspitzt dargestellt wird.

erwähnen möchte ich noch, dass ich, selbst wenn mich hier ein film inspiriert hat,  keine einzige filmszene nachgestellt habe. mir ging es vielmehr darum, diese besondere stimmung aufzugreifen und mit meinen ideen und mitteln umzusetzen.

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1 Comments:

  1. Anonymous März 19, 2018 Reply

    Eine tolle Serie rundum stimmig. Die chronologische Abfolge kann man gut nachvollziehen. Die Bilder und Bearbeitung sind passend zum Thema uns sehr schwerer Stoff. Dies passt zur allgemeinen Diskussion zur Vereinsamung im Alter, ein Problem das uns alle angeht. Diese Serie bringt dies perfekt auf den Punkt. Die Jury hat dies richtig erkannt und dies gewürdigt. Klasse!

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